Familienleben rund um einen tieferen Sinn gestalten

Die meisten Familien in unserer westlichen Gesellschaft bilden sich heutzutage aufgrund einer zunächst romantisierten Vorstellung von Sicherheit, Zusammenhalt und Gemeinsamkeiten. Der Mensch ist ein Herdentier. Wir möchten dazu gehören, Teil einer Gemeinschaft sein, uns miteinander vernetzen und unserem Instinkt nach auch vermehren. Mit der gesellschaftlichen Entwicklung von Paarbildung auf Basis der Liebe und der gleichzeitigen Individualisierung haben zusätzlich eine Menge Erwartungen und Vorstellungen zu Diensten von gegenseitigem seelischen Halt Einzug in die Planung der Familienbildung gehalten. 

Zu schnell zieht im Alltag leider eine Atmosphäre enttäuschter Erwartungen ein. Wir verändern uns, die Situation verändert sich, der Mensch bleibt nicht der, der er zu Beginn der Familienbildung war. Wir begegnen uns jeden Tag neu und was das Gegenüber mir zu Anfang vielleicht geben konnte, nimmt andere Züge an.

Mit dieser Dynamik kommen Konflikte auf, die unter Umständen zum Zerwürfnis führen können, wenn... ja, wenn hinter all dem nicht etwas viel tieferes stecken könnte.

Wir ahnen es bereits – eine gesunde Familienzelle bildet die Grundlage für eine gesunde Gesellschaft. Ist das Individuum gesund, bringt es Gesundheit in die Familie, die wiederum Gesundheit ins größere Ganze trägt. Kleine und große Kriege entstehen aus enttäuschten Erwartungen, verschmähten Bedürfnissen, unerfüllter Sehnsucht. Ein nicht tief nachempfundenes, ehrlich und authentisch reflektiertes „Wozu“ in der Frage nach dem eigenen Handeln kann viel Leid verursachen, bis hin in höchste politische Kreise, besonders, wenn nicht gemeinsame Werte uns einen und wir unser seelisches Schutzschild hochgefahren haben. 

Somit ist es unsere Aufgabe, herauszufinden, was uns trägt. Wozu bildet sich ein Paar, eine Freundschaft, eine Familie, eine Clique, ein Dorf, jegliche Art von Gemeinschaft? 

Wir brauchen tiefe Wurzeln, um die oberflächlichen Wogen kraftvoll und loyal miteinander durchstehen zu können. 

Tiefer graben 

Die besten Nährstoffe für dauerhafte Bindung liegen tief unter der Oberfläche verborgen. Wenn wir einem gemeinsamen, einenden Ziel folgen, gehen wir durch Konflikte und Schwierigkeiten ganz anders hindurch. Wir schauen auf das Ziel, vereinen uns und tragen uns gegenseitig. Es wird leichter, Konflikte nicht mehr persönlich zu nehmen, sondern als gemeinsame Herausforderung zu betrachten. 

Um zu diesem „Wir“ zu gelangen, sind zwei unumgängliche Grundlagen erforderlich:

1. Wahrheit

Nur mit ihr kann eine Familie/ Gemeinschaft tiefer in das einsteigen, was wirklich und authentisch da ist. Wenn wir einander nicht wahrhaftig begegnen, sondern zum großen Teil unbewusst über unsere Verhaltensmuster bleiben, können wir einander nur an der Oberfläche begegnen.
Bin ich also bereit, zuerst mir selbst und dann auch den anderen zu offenbaren, wovon ich wirklich überzeugt bin, was in mir vorgeht und was ich mir wünsche? Wie tief bin ich bereit, meine eigene Schwäche, Scham, Furcht und andere ungemütliche Gefühle zu erlauben und zuzugeben? Wie authentisch zeige ich mich in der Partnerschaft und auch als Elternteil? Zeige ich meinen Kindern mein wahres Ich? Glaube ich, dass dies geht, dass ich eine gute Mutter/ein guter Vater bin, wenn ich zeige, wie ich wirklich bin? 

2. Vertrauen

Ja, Vertrauen ist leicht zu verlieren und umso schwerer wieder zu erlangen. Doch es ist der größte Schatz innerhalb familiärer Bindungen. Vertrauen dahinein, dass die anderen es gut mit mir meinen, dass ich mich zeigen kann und dass auch ich meinen Liebsten etwas zu geben habe, befeuert den Wunsch zur Wahrheit. Die beiden sind wie Zwillinge, gehen Hand in Hand. Vertrauen bedeutet Bindungswille, sich einlassen, sich hingeben, die Hintertüren schließen. Wahres Vertrauen schafft das individuelle Zugehörigkeitsgefühl intimer Beziehungen, welches die Bindung so unverwechselbar werden lässt. Vertrauen ist eine Entscheidung – hier will ich sein. Hier darf ich sein. Hier ist mein Zuhause. 

Von Werten und Zielen – die Sinnfragen 

Nun ist die Basis für echte Sinnhaftigkeit geschaffen. Von hier aus kann die Familie die Fragen stellen, die sie zum gemeinsamen, tieferen Sinn und Ziel führen. 

Die tiefste Sinnfrage muss sich durchaus nicht nur spirituell angehauchten Menschen stellen. Zu allen Zeiten in allen Kulturen haben Menschen sich die Frage nach dem Wozu gestellt. Selbst im Individuum ist diese Frage, oft unbewusst, laut: Wozu handle ich? Wozu entscheide ich? Wozu bin ich? Ein tiefes, bewusstes Wozu ist der Antrieb zu Resilienz in Herausforderungen und hält die Gemeinschaft zusammen. Dies sind einige inspirative Ansätze zur Fragestellung:

  • Welche Werte einen uns gemeinsam als Familie – wofür stehen wir, ethisch, moralisch, in der Kommunikation, in inneren Überzeugungen? Welche Werte möchten wir unseren Kindern vermitteln?
    Wenn wir unsere gemeinsame Werte unserem Alltag zugrunde legen, werden wir ganz anders miteinander sprechen und auch Probleme angehen. Wir werden unsere Werte als Grundlage unserer Entscheidungen immer mit einbeziehen, anstatt aus purem Lustprinzip zu handeln. 
  • Welche Haltung möchten wir in Konflikten kultivieren? Haben wir gemeinsam besprochene Regeln zum Umgang miteinander?
    Wie wir in der Familie miteinander sprechen, gründet sich auf die Ausprägung unseres Wunsches, einander wohlwollend zu betrachten und immer das Beste voneinander zu erwarten. Gehen wir mit einer Haltung des Selbstschutzes in die Begegnung, wird auch die Kommunikation anders verlaufen. Wichtig ist, dass wir den Anderen wirklich zutiefst begreifen möchten. 
  • Wozu hat das Leben uns zusammen gebracht? Warum gerade wir? Warum gerade dieses Kind? Welches Geschenk haben wir Eltern für unser Kind und umgekehrt? Welches ist unsere tiefere Berufung, wie gliedern wir uns ein in das größere Ganze?
  • Worauf liegt unser Fokus – auf dem, was uns trennt oder dem, was uns eint? 

Familie, egal in welcher Konstellation, ist das Kerngeschenk unseres Wesens. Ihr Sinn, ihre Tiefe macht uns mehr zum Mensch. 

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AUTORIN: SARAH ACKER

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