Kind und Karriere – ich will beides! Eine Reflexion darüber, worum es wirklich geht.

Der moderne Familienmensch sieht sich der Herausforderung gegenüber, aus einer zahllosen Menge an Lebensentwürfen das auszuwählen, in dem er meint, sich am besten wiederfinden zu können.

Die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung im Luxus unserer modernen westlichen Welt befördert uns hierbei meist in die Zwickmühle der Qual der Wahl. Was soll es nun sein? Welcher Gemeinschaft möchte ich mich anschließen, welchem sozialen Netz fühle ich mich zugehörig, welches Lebensgefühl möchte ich entwickeln, wie meine Kreativität ausdrücken und wie möchte ich in dieser Welt so schaffen und wirken, dass es mir am meisten entspricht? 

Die Fragen nach Familie und Beruf sind dabei meist zentral. Eine Arbeitsstelle, die auf Karriere abzielt, erfordert nach unserem verbreiteten Denken eine lange, intensive Ausbildung und eine vollzeitliche Ausrichtung auf das Ziel hin, die Spitze der Leiter zu erklimmen.

Die inneren Lebensziele, die Frage nach dem „Wozu?“, die oft die heimliche Motivation zu einem solchen Unterfangen darstellt, werden bei der Entscheidungsfindung für einen solchen Lebensentwurf oft nicht so intensiv berücksichtigt – was, um dem Verlauf voraus zu greifen, immer öfter dazu führt, dass Menschen auf diesem Weg ausbrennen und ihnen auf halber Strecke die Kraft zur erfolgreichen Umsetzung abhanden kommt. Diese Entwicklung lässt sie unbefriedigt zurück, was dann in familiären Beziehungen zu Spannungen führen kann und oft nicht als Wurzel der Probleme erkannt wird.

Auch die Frage nach den individuellen Vorstellungen von Familie und Beziehung schließt sich einem ähnlichen Muster an. Möchten wir Kinder haben? Wie viele? Wann? Wie wichtig ist uns die Beziehung zu ihnen, welche Motivation treibt uns ausser unserem Überlebensinstinkt bewusst an, überhaupt Kinder in die Welt zu setzen? 

Uns ist bewusst, dass das Familienleben viel Zeit in Anspruch nimmt – genau gesagt genau so viel, wie es der Weg auf der Karriereleiter verlangen würde.

Die Qual der Wahl und der Druck zur Entscheidung

Was sollen wir nun tun? Wir stellen vielleicht fest, dass wir gerne Anerkennung, Erfolg und Respekt auf der beruflichen Ebene verzeichnen möchten, viel Geld verdienen oder unser Können unter Beweis stellen wollen. 

Andererseits möchten wir unser soziales Bedürfnis im Familienleben gestillt wissen. Doch die Zeit scheint uns einen Strich durch die Rechnung zu machen – Kinder zu bekommen kann man der biologischen Uhr wegen nun einmal nicht unendlich weit nach hinten verschieben – und auch in Sachen Karriere steht man bereits ab vierzig Jahren eher auf dem Abstellgleis – wie ein Fußballspieler, der seine besten Zwanzig bereits überschritten hat.

Zudem steigen die Anforderungen: Erfahren und verlässlich sollen wir sein, wie jemand, der schon sein halbes Leben treu in nur einer Firma verbracht hat – als Eltern wird im Übrigen das gleiche von uns erwartet – gleichzeitig möchten wir bitte flexibel und innovativ daher kommen, fesch und zeitgemäß, immer auf dem neuesten Stand und mit modernen Lebensentwürfen. 

Wie um Himmels Willen sollen wir das alles schaffen? Wo verschwimmt die Grenze zwischen unseren eigenen Erwartungen und der der Gesellschaft und unseres sozialen Umfeldes? 

Und was, wenn wir uns partout nicht entscheiden können? Was wollen wir nur? Da hatten es die Bauern und Bäuerinnen damals weitaus besser, lassen wir uns hinreissen zu denken und sehnen die Zeiten zurück, in denen alles so vermeintlich einfach war, weil vorgegeben. Sowohl zu enge als auch sehr weite Vorgaben sind also ungemütlich: Viel Raum zieht die Verantwortung zur Innen- und Anschau dessen nach sich, was uns eigentlich in der Tiefe antreibt. Anstrengend ist das. 

Zudem lässt uns die in regelmäßigen Abständen auftauchende Frage nach dem „war das wirklich alles?“ nicht los. All die Mühe mit den Kindern, all die Investition in meinen beruflichen Aufstieg, all die Tränen in Liebesbeziehungen, wozu das alles?

Ein neuer Weg?

Zwei Leben, oder noch mehr, das wär es doch. Oder nicht? Welcher gedankliche Weg könnte uns eine Lösung aus dem Dilemma bieten? 

Es scheint so viele unterschiedliche Möglichkeiten zu geben, wie wir leben können, doch eines haben sie alle gemeinsam: Trotz der offensichtlichen Vielfalt scheint uns die Zeit davon zu laufen. Und: Die angebotenen Möglichkeiten scheinen von außen vorgegeben. Wie in eine Schablone können wir uns hineinlegen in den ein oder anderen Entwurf und am Ende droht für viele von uns das Gefühl, an der ein oder anderen Stelle einfach etwas verpasst zu haben. 

Ich möchte Mut machen zu einem neuen Weg: Wie wäre es, nicht mehr von aussen nach innen zu entscheiden, sondern von innen nach aussen? 

Die innere Lebenswelt und unsere Träume kennen keine zeitliche Begrenzung, keinen Druck und keine Grenzen des Machbaren. Innen können wir zunächst alles sein. Da passt es auch zusammen, Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen, ohne das ein oder andere zu vernachlässigen.

Je tiefer unsere Phantasie geschult ist, je mehr wir uns erlauben, von dem scheinbar Möglichen weg zu sehen, von den Öffnungszeiten des Kindergartens, der Fächerwahl in der Schule, der Zeitrechnung bis zur Menopause oder der Partnerwahl, der erfolgreichen Bewerbung und der idealen Bezahlung abzulassen und uns unserer inneren Welt zuzuwenden, in der alles sein darf, was sein möchte, umso mehr lernen wir faktisch, aus der Box heraus zu denken. 

Wir erobern uns unsere Kreativität zurück. Wer kann dir sagen, ob es wirklich unmöglich ist, Vollzeit für deine Kinder da UND erfolgreich im Beruf zu sein? Welche kreative Idee möchte geboren werden, um genau dieses Szenario Realität werden zu lassen? Gibt es vielleicht eine Arbeitsstelle, die erlaubt, dass beides machbar ist? Was, wenn du sie einfach schaffst?

Mit dem „Wozu?“ bahnt sich der Weg

Versteh mich nicht falsch, es ist wahr: Es bedeutet Unmengen an Stunden und radikale Bereitschaft, einen neuen Weg zu gehen. Ausgetretene Pfade lassen sich weitaus angenehmer laufen und der Druck zur Perfektion steigt.

Doch auch dieses Kleid darf dir zu eng werden: Es geht nicht darum, dass alles perfekt wird. Es geht darum, dass du vollen Herzens hinter dem stehen kannst, was du tust. Und wenn du aus ganzem Herzen wählst, die Karriereleiter zu besteigen UND all deine Liebe deinen Kindern zu schenken und ein sicheres, behütetes Zuhause zu schaffen, wirst du einen Weg finden. Vielleicht siehst du nicht direkt ein Beispiel von jemandem, der dies bereits geschafft hat und begegnest mehr den Menschen, die sich mit „muss ja“ über Wasser halten. Doch du kannst Inspiration sein, nicht zuletzt gerade für deine Kinder, die erleben, dass ihre Eltern nicht sie dafür verantwortlich machen, dass sie ihre Träume hinten anstellen mussten. 

Unsere nächste Generation braucht Beispiele für eine Welt der Gleichberechtigung, der Lebendigkeit, Gerechtigkeit und funktionierenden Gemeinschaft: Menschen, die sich mit dem Status Quo nicht zufrieden geben. Menschen, die Kinder groß ziehen und gleichzeitig in der Geflüchtetenhilfe tätig sind. Menschen, die ihre Familie an erste Stelle setzen und gleichzeitig neue Innovationen im Finanzsektor auf den Weg bringen. Menschen, die Kinder lieben und gleichzeitig ihre Seele auf die Bühne bringen. 

Es geht. Es geht, dass Kinder ein Teil unserer Gesellschaft sind. Dass sie miterleben, wie wir voller Einsatz sind für eine bessere Welt – und unsere Kinder dürfen Teil davon sein, anstatt als vorgeschobener Grund für ungelebte Träume zu fungieren.

Noch vor wenigen Monaten hätten wir uns beispielsweise nicht vorstellen können, dass so viele Menschen plötzlich von Zuhause aus arbeiten können. Dann kam Corona. Und auf einmal ging ein neues Fenster auf. Außergewöhnliche Umstände gebären außergewöhnliche Maßnahmen. 

Wenn du noch mehr über Familie und Schwangerschaft, Achtsamkeit, Ernährung oder Nachhaltigkeit erfahren möchtest, schaue dir hier noch mehr spannende Blog-Artikel zu diesen Themen an.

Autorin: SARAH ACKER

Kommentar hinterlassen

Alle Kommentare werden vor der Veröffentlichung geprüft