Die WFTO setzt 10 Prinzipien fest, die Fair Handels-Organisationen in ihrer alltäglichen Arbeit einhalten sollen, und stellt mit einem Monitoring die Einhaltung dieser Prinzipien sicher.

 

Prinzip 1: Chancen für wirtschaftlich benachteiligte Produzentinnen und Produzenten schaffen

Die Bekämpfung der Armut durch den Fairen Handel ist zentrales Ziel von Fair-HandelsOrganisationen. Die Organisation unterstützt marginalisierte Kleinproduzent*innen, seien es selbständige Familienunternehmen oder Zusammenschlüsse bzw. Kooperativen. Sie hilft ihnen dabei, aus unsicherer Einkommenslage und Armut zu wirtschaftlicher Selbständigkeit und Besitz zu gelangen. Dazu verfügt die Organisation über einen Maßnahmenplan.

 

Prinzip 2: Transparenz und Rechenschaftspflicht

Die Organisation beweist Transparenz in ihrer Geschäftsführung und ihren Handelsbeziehungen. Sie ist allen Akteuren gegenüber verantwortlich und respektiert die Sensibilität und Vertraulichkeit erhaltener Wirtschaftsdaten. Sie findet geeignete Wege, ihre Beschäftigten und Mitglieder sowie die Produzent*innen an Entscheidungsfindungsprozessen zu beteiligen. Sie legt besonderen Wert darauf, all ihren Handelspartnern relevante Informationen zukommen zu lassen. Die Kommunikationswege sind auf allen Ebenen der Handelskette gut und offen.

 

Prinzip 3: Faire Handelspraktiken

Die Organisation zielt mit ihrem Handeln auf das soziale, wirtschaftliche und ökologische Wohlergehen marginalisierter Kleinproduzent*innen ab und betreibt keine Profitmaximierung auf deren Kosten. Sie kommt ihren Verpflichtungen verantwortlich, professionell und zeitgerecht nach. Die Lieferanten halten die Verträge ein und liefern pünktlich in der gewünschten Qualität und Ausführung.

Einkäufer des Fairen Handels berücksichtigen die finanzielle Benachteiligung von Produzenten und Lieferanten von fair gehandelten Produkten und sorgen dafür, dass die Bestellungen bei Erhalt der Dokumente oder wie in gemeinsamer Absprache vereinbart bezahlt werden. Auf Anfrage wird eine Vorauszahlung von mindestens 50 Prozent geleistet, bei Handwerk zinsfrei und bei Nahrungsmitteln zu einem vertretbaren Zinssatz. Die vom Lieferanten zu zahlenden Zinsen dürfen nicht höher sein als die Kreditkosten, die der Käufer an Dritte zahlt. Die Berechnung von Zinsen ist nicht zwingend.

Wenn Fair-Handels-Lieferanten im Süden eine Vorauszahlung eines Kunden erhalten, stellen sie sicher, dass diese Zahlung die Produzent*innen bzw. Bäuerinnen und Bauern erreicht, die diese Produkte herstellen bzw. anbauen.

Die Käufer beraten sich mit den Lieferanten, bevor sie eine Bestellung stornieren oder zurückweisen. Werden Bestellungen aus Gründen storniert, die die Produzenten oder Lieferanten nicht verschuldet haben, muss für die bereits geleistete Arbeit ein angemessenes Entgelt garantiert werden. Im Fall von Lieferproblemen beraten sich Lieferanten und Produzenten mit den Käufern und sorgen für Entschädigung, wenn die gelieferte Menge und Qualität nicht mit der in Rechnung gestellten übereinstimmt.

Die Organisation unterhält langfristige Beziehungen auf der Basis von Solidarität, Vertrauen und gegenseitigem Respekt, die zu Förderung und Wachstum des Fairen Handels beitragen. Sie steht in enger Kommunikation mit ihren Handelspartnern. Die an einer Handelspartnerschaft beteiligten Parteien bemühen sich, ihr Handelsvolumen untereinander sowie den Wert und die Vielfalt ihres Produktangebots zu erhöhen, um so den Fairen Handel zugunsten eines höheren Einkommens für die Produzent*innen auszuweiten. Die Organisation kooperiert mit anderen Fair-Handels-Organisationen in ihrem Land und vermeidet unfairen Wettbewerb. Sie nutzt keine Designs oder Muster anderer Organisationen ohne deren Erlaubnis.

Der Faire Handel fördert, schützt und erkennt die kulturelle Identität und traditionellen Fähigkeiten von Kleinproduzent*innen an, die in ihren Handwerksdesigns, Lebensmittelprodukten und damit verbundenen Leistungen zum Ausdruck kommen.