Warum wir Ablehnung & Zurückweisung brauchen

Jeder von uns hat Träume, Leidenschaften und Interessen. Was waren deine Träume, als du ein Kind warst? Erinnerst du dich noch daran, was du damals werden wolltest? 

Nicht gut genug

Ich wollte schon seit ich denken kann Schauspielerin werden. Während der Schulzeit habe ich immer wieder an Theater- und Schauspielkursen teilgenommen und habe auch das ein oder andere Mal auf der Bühne gestanden. Doch je älter ich wurde, desto mehr habe ich diesen Traum aus den Augen verloren. Die Angst vorm Scheitern war groß. 

“Das ist doch kein richtiger Job…” “Wie willst du denn damit Geld verdienen?” Diese und ähnliche Aussagen hörte ich regelmäßig von allen möglichen Seiten. Lange hatte ich Angst, mich überhaupt für Castings zu bewerben, nur weil ich keine Absagen erhalten wollte. Und als ich es dann doch tat, kam genau das: Absagen. Ein paar kleine Projekte ergaben sich zwar, aber eben nichts Großes. Ich bekam das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Nicht schön genug, nicht selbstbewusst genug, nicht interessant genug. Irgendwann war ich davon überzeugt, einfach nicht gut genug zu sein und ließ das ganze Schauspiel-Ding bleiben. Denn wenn ich es gar nicht erst versuchte, konnte ich auch nicht zurückgewiesen werden, richtig?

Diese Gleichung ging leider nicht auf. Man muss sich schon alleine in einer Höhle verkriechen, um sein Leben lang keine Ablehnung erfahren zu müssen. Einen Traum aufzugeben schützt einen nun mal nicht davor, je wieder abgelehnt zu werden… Das Leben sagt immer wieder “Nein”, auf ganz unterschiedlichen Wegen. Eine Business-Idee, die abgelehnt wird; ein Date, zu dem niemand erscheint; Freundschaften, die auseinandergehen; ein Kinderwunsch, der unerfüllt bleibt; ein Projekt, das schief läuft; und, und, und… Sogar so erfolgreiche Menschen wie Walt Disney oder J.K. Rowling wurden einige Male zurückgewiesen, bevor sie mit ihren Ideen zum Erfolg gelangten. 

Person hält Hände ablehnend in die Kamera

Photo by Priscilla Du Preez on Unsplash

Was ist die Alternative?

Es passiert jedem von uns. Wir suchen, lieben, öffnen uns. Wir fragen, erzählen, lassen andere an uns heran. All das tun wir in dem Wissen, auf Ablehnung zu stoßen. Verletzt zu werden. Und manchmal passiert genau das. Wieso also probieren wir es immer wieder? Warum riskieren wir, vor den Kopf gestoßen, belächelt oder verletzt zu werden? Wieso bringen wir uns selbst immer wieder in Situationen, von denen wir wissen, dass wir ein “Nein” als Antwort bekommen könnten?

Nun, was wäre denn die Alternative? Die Alternative wäre, dass absolut nichts passiert. 

Jede Idee, jede Ambition, jeden Wunsch und jedes Ziel, das wir haben, würde verkümmern.

Wir würden so dahintreiben, ohne wirkliche Orientierung und Richtung. Die Angst würde an erster Stelle stehen. Wäre das wirklich leben oder viel eher existieren

Dieser Gedanke – ein Leben in Angst zu Leben aber dafür ohne das Risiko, verletzt und zurückgewiesen zu werden – macht aber doch viel mehr Angst als der Gedanke, in Liebe und Vertrauen zu leben und dafür gelegentlich Zurückweisung in Kauf zu nehmen, oder?

Das Schöne an Zurückweisung und Ablehnung ist doch, dass sie uns zeigen, dass wir es versucht haben. 

Ablehnung bringt Wachstum

Wann immer ich nun Ablehnung erfahre – sei es auf emotionaler, sozialer, romantischer oder geschäftlicher Ebene – versuche ich mich daran zu erinnern, dass ich es wenigstens versucht habe. Ich bin ein Risiko eingegangen. Habe etwas gewagt. Bin aus meiner Komfortzone ausgebrochen. Habe etwas Neues probiert. Bin einen Schritt weiter gegangen und habe meine persönlichen Grenzen überschritten. 

Einen großen Teil der Male, bei denen ich ein “Nein” als Antwort bekommen habe, hätte ich damit vermeiden können. Ebenso eine ganze Menge Schmerz, der mit dieser Ablehnung einhergegangen ist.

Aber würde ich diesen Schmerz eintauschen wollen gegen die Erfahrungen, die Lektionen und das Wachstum, welche durch diese Zurückweisungen entstanden sind? Definitiv nein. Ich möchte nicht am Ende meines Lebens auf eine Zeit zurückblicken, in der ich auf Zehenspitzen herumgeschlichen bin, nur um ja nichts Falsches zu berühren. Lieber stoße ich, mal hier mal da, gegen die Herausforderungen des Lebens und falle um, aber komme insgesamt viel, viel weiter.

Ich möchte Ablehnungen und Zurückweisungen jedoch nicht “romantisieren”, denn sie sind immer noch eine ernste Angelegenheit. Es tut einfach weh, Ablehnung zu erfahren, und da ist auch nicht immer etwas Schönes dran. Durch das wiederholte Erleben von Zurückweisung können sich negative Glaubenssätze einschleichen (z.B. “Ich bin nicht gut genug”), die ernsthafte Auswirkungen auf Körper und Psyche haben können.

Es geht einfach darum, zu lernen und zu akzeptieren, dass nicht alles im Leben funktioniert. Dass nicht alles für einen bestimmt ist und manche Dinge auch einfach nicht zu einem passen.

Stell dir mal vor...

Stell dir mal vor, wir würden in einer Welt leben, in der jeder Mensch zu jedem anderen passt, jeder hat Spaß an allem und hat dieselben Talente? Kannst du dir eine Welt vorstellen, in der wir nicht suchen und finden müssten, nichts wagen müssten und in der die Antwort immer “Ja” wäre? In der alles, wovon wir träumen würden, sofort zur Realität werden würde? Wie cool wäre das wirklich? Im Endeffekt ist es doch das Gesuche, die Unsicherheit, das Unbekannte, was alles erst so richtig interessant macht, oder? 

Nicht alles, was wir uns wünschen, ist für uns gemacht. Genauso wie nicht alles, was für uns gemacht ist das ist, was wir uns auch wirklich wünschen. 

Für manche Freundschaften, Jobs, Partnerschaften und Hobbies sind wir nicht geeignet. Aber woher wüssten wir, was zu uns passt, wenn wir es nicht ausprobieren würden? Jede Ablehnung, jedes “Nein” hilft uns dabei, auf den für uns persönlich passenden Pfad zu gelangen. Immer mehr zu uns selbst zu finden. Uns immer besser kennen zu lernen. Wirklich herauszufinden, was das ist, was uns erfüllt. 

Ich versuche immer mehr, darauf zu vertrauen, dass alles so wie es kommt richtig ist. Dass jede Ablehnung, die ich erfahre, richtig ist. Zurückweisung zwingt uns dazu, inne zu halten und uns zu reflektieren. Und genau da findet Lernen und Wachstum statt. 

Ich versuche, dankbar für Zurückweisung zu sein

Natürlich fragt man sich manchmal: Was wäre wenn? Auch ich frage mich manchmal, wo ich jetzt wäre, wenn ich damals keine Absagen bekommen hätte. Wenn ich es weiter probiert hätte, ohne Angst vor Ablehnung. Aber ich weiß jetzt auch, dass diese Erfahrungen nötig waren, damit ich wachsen konnte. Durch sie habe ich gelernt, dass “Neins” dazugehören. Dass ich dankbar sein kann für jede Erfahrung, die ich mache – egal, was am Ende dabei herauskommt. Dass die Versuche es wert sind, und dass jede Zurückweisung mir zeigt, dass ich es probiert habe – auch wenn es manchmal schmerzt.

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Frau hält Blumen in den Händen Nahaufnahme

Photo by Matteo Minoglio on Unsplash

1 comment

Nicht nur die Hosen sind spitze, sondern auch Ihre Beiträge. Vielen Dank für den Denkanstoss und einen neuen, zuversichtlicheren Blick auf das Leben.
Ich wünsche Ihnen ein zauberhaftes Wochenende.

Franziska Geiger September 01, 2020

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